Ätherische Öle

Ätherische Öle werden schon seit Jahrtausenden von Menschen für verschiedene Zwecke verwendet. Die alten Ägypter sowie die chinesische Kultur zählen zu den ersten, welche ätherische Öle einsetzten. Ätherische Öle wurden und werden bis dato zur Nahrungsergänzung, Kosmetik und als Therapeutikum verwendet. Diese speziellen Öle habe eine ganz besondere Wirkung die sich auf Körper, Geist und Seele entfaltet.

Allgemeine Informationen
Gewinnung von ätherischen Ölen
Unterschied ätherisches Öl und Pflanzenöl
Eigenschaften und Wirkungsweise von ätherischen Ölen
Lagerung und Haltbarkeit von ätherischen Ölen
Qualität von ätherischen Ölen
Hinweise auf die Qualität von ätherischen Ölen
Anwendung von ätherischen Ölen
Unterschied zwischen nativ, raffiniert, unraffiniert und kaltgepresst
Vorsicht bei der Anwendung

Allgemeine Informationen

Ein ätherisches Öl ist eine hoch konzentrierte Substanz, die aus unterschiedlichen Pflanzenteilen gewonnen wird. Die Substanz entsteht aus verschiedenen biochemischen Verbindungen, welche von den verschiedensten Pflanzen durch deren Stoffwechsel produziert werden. Sie dient den Pflanzen zur Abwehr von Schädlingen und Krankheitserregern, als Kommunikationsmittel untereinander und zur Anlockung von Insekten zur Bestäubung. Die Pflanzenteile speichern das Öl in sogenannten Öldrüsen, die sich in den Samen, Früchten, Blüten, Blättern, Zweigen, Wurzeln, Rinden, Nadeln und Kräutern befinden können.

Übersicht an Pflanzenteilen, in welchen ätherische Öle gebildet werden
    ● Ganze Pflanze/Kraut: Majoran, Melisse, Immortelle  ● Blätter (folium): Cajeput, Geranie, Cistrose, Teebaum  ● Blüten (flos): Kamille, Lavendel, Rose, Neroli, Jasmin ● Blütenknospen: Gewürznelken, Wurmsamen ● Nadeln: Silbertanne, Zirbe, Kiefer ● Blütenknospen: Gewürznelkenknospen  ● Früchte/Samen: Tonka, Fenchel, Koriander, Karottensamen, Anis ● Holz/Zweige: Atlas Zeder, Sandelholz, Rosenholz  ● Schoten: Vanille  ● Gras: Palmarosa, Zitronella, Lemongrass  ● Wurzeln: Vetiver, Angelika, Baldrian, Veilchen ● Rhizome/Knolle: Iris, Ingwer  ● Rinde: Zimtstrauch, Sandel- und Kampferbaum  ● Harze/Balsame: Benzoe, Weihrauch, Myrrhe  ● Fruchtschalen: Zitrone, Orange ● Samen: bittere Mandel, Moschuskörner ● Kraut: Knoblauch, Pfefferminze, Wermut

    Ätherische Öle sind flüssige Stoffe und bestehen aus organischen Inhaltsstoffen wie Alkoholen, Estern, Ketonen oder Terpenen. Sie sind von öliger Konsistenz und flüchten, was bedeutet, dass sie an der Luft rückstandslos verdunsten. Alle ätherische Öle haben die Gemeinsamkeit, dass sie bei dem Verdunsten einen intensiven Duft verströmen. Ist ein ätherisches Öl ein harziger Stoff, so wird er als Resinoid bezeichnet. 

    Pflanzliche Reinstoffe wie Kampfer, Vanillin und Menthol werden manchmal ebenfalls als ätherische Öle klassifiziert, wobei sie jedoch als kristalline Festkörper vorliegen. 

    Gewinnung von ätherischen Ölen

    Die wohl üblichste Methode der Gewinnung ist die Wasserdampfdestillation. Ätherisches Öl kann jedoch auch über Synthese, Extraktion mit Lösungsmittel sowie Kohlendioxid oder durch mechanisches Auspressen gewonnen werden.

    Destillation
      Das Destillationsverfahren ist das am häufigste genutzte Verfahren zur Gewinnung von ätherischem Öl. Im ersten Schritt ist eine Vorbehandlung nötig: Gräser werden geschnitten, Rinde zerstoßen, Hölzer und Wurzel zersägt, Früchte und Samen zerquetscht oder gemahlen. Erst durch diese Vorbehandlung kann sich der Dampf Zutritt zu den ölhaltigen Zellen und Gewebe verschaffen. Im nächsten Schritt wird das ölartige Material in den Destillationsapparat eingefüllt. Danach wird Wasserdampf mit entsprechendem Druck und Temperatur eingeführt. Der heiße Dampf entzieht den Pflanzenteilen alle flüchtigen Duftstoffe. Durch die Kondensation und dem anschließenden Trennverfahren wird das ätherische Öl von dem Pflanzenwasser abgeschöpft. Das Blütenwasser, ein sogenanntes Hydrolat, entsteht als Zusatzprodukt bei der Destillation. Diese Hydrolate enthalten die großmolkularen wasserlöslichen Substanzen der Pflanze. Die Menge an gewonnenem ätherischen Öl hängt ganz von der jeweiligen Pflanze ab. So benötigt man 5000 - 7000 kg Rosenblätter um einen Liter Rosenöl zu gewinnen. Wohingegen bereits 30 kg Eukalyptusblätter ausreichen, um 1 Liter Eukalyptusöl herzustellen. Diese Diskrepanz erklärt somit auch die unterschiedlichen Preise für die jeweiligen ätherischen Öle.
      Kaltpressung
        Bei Zitrusfrüchten wird das ätherische Öl einfach aus den Schalen gewonnen. Da das Öl in den Poren in der Schale sitzt, ist es auch recht einfach zugänglich. Die Schalen werden lediglich zerkleinert, gepresst, zentrifugiert und filtriert. Dadurch ist keine Wärmebehandlung notwendig und die Ölausbeute ist relativ hoch. So benötigt man beispielsweise die Schale von 100 bis 150 Orangen um 1 Liter Orangenöl herzustellen. 
        Extraktion
          Kostbare Blütendüfte (Jasmin, Lotus oder Narzisse) werden in der Regel durch das Extraktionsverfahren gewonnen. Die Pflanzen werden zunächst in ein Lösungsmittel getränkt, dass die Duftstoffe herauslöst. Im nächsten Schritt wird durch ein weiteres Extraktions- oder Destillationsverfahren das Lösungsmittel und Pflanzenwachse entfernt. So wird das sogenannte Absolue gewonnen. Ein Absolue enthält sowohl die wasserlöslichen als auch die fettlöslichen Bestandteile der Pflanzenteile. Es zeichnet sich durch seinen intensiven und vollen Duft aus. 
          Kohlendioxidextraktion
            Dieses Verfahren ist noch relativ jung und stellt eine schonende Extraktionsmethode dar. Sie kommt vor allem bei temperaturempfindlichen Pflanzen und Pflanzenteilen zum Einsatz. Das Verfahren wird mit flüssigem CO2 bei circa 30 Grad Celsius mit extrem hohem Druck durchgeführt. Die daraus gewonnen Duftstoffe sind im Duft besonders naturnah und intensiv. Jedoch wird dieses Verfahren heutzutage noch selten eingesetzt. 

            Unterschied ätherisches Öl und Pflanzenöl

            Basisöle werden aus den fettreichen Samen, Nüssen oder Früchten einer Pflanze gewonnen. Sie werden verwendet, um ätherische Öle vor der Anwendung auf der Haut zu verdünnen.

            Eigenschaften und Wirkungsweise von ätherischen Ölen

            Körperliche Wirkung von ätherischen Ölen

            Ein ätherisches Öl kann aus bis zu 100 verschiedenen Einzelstoffen bestehen. Das erklärt, wieso ein einziges Öl mehrere unterschiedliche Wirkungen erzielen kann. Die Einzelchemikalien ergänzen sich synergetisch und verstärken sich in ihrer Wirkung wechselseitig.

            Wirkungen: Antibakertiell, antikoagulativ, antiviral, anitumoral, entzündungshemmend, hormonausgleichend, blutdrucksenkend, zellregenerierend, schleimlösend, antimykotisch, krampflösend, appetithemmend, apptetitanregend, immunstärkend, schmerzlindernd, antiseptisch, diuretisch, durchblutungsfördernd, leberstärkend, nierenstärkend, kreislaufanregend, entgiftend, hormonausgleichend, antioxidativ u.v.m. 

            Seelische Wirkung von ätherischen Ölen

            Über unseren Riechnerv gelangen die Wirkstoffe direkt in unser Gehirn und entfalten dort ihre volle Wirkung.  Sie wirken vor allem auf unser limbisches System, welches unsere Emotionen steuert. So können ätherische Öle direkten Einfluss auf unsere Stimmung und Psyche haben. 

            Wirkungen: Anregend, angstlösend, antidepressiv, aphrodisierend, ausgleichend, beruhigend, entspannend, erdend, euphorisierend, gedächtnisfördernd, konzentrationsfördernd, nervenstärkend, stimmungsaufhellend, zentrierend u.v.m.

            Lagerung und Haltbarkeit von ätherischen Ölen

            Ätherische Öle sind licht- und sauerstoffempfindlich. Daher sollten die Öle in dunklen, verschlossenen Flaschen möglichst kühl und trocken aufbewahrt werden.

            Zitrusöle sind leichter verderblich als andere ätherische Öle. Ihre Haltbarkeit, bei sachgemäßer Lagerung, beträgt maximal 2 Jahre. Holzöle und Patchouli halten bis zu 4 Jahre, ggf. auch länger. Alle anderen Öle sind 2 bis 3 Jahre haltbar. Gutes Rosen- oder Sandelholzöl kann im Laufe der Zeit immer reifer und besser werden.

            Qualität von ätherischen Ölen

            Es ist nicht einfach ein hochwertiges ätherisches Öl zu erkennen, da der Begriff “ätherisches Öl” nicht geschützt ist und so auch für rein synthetische Produkte verwendet wird. Naturbelassene Produkte hingegen werden direkt aus der Pflanze gewonnen. Man unterscheidet im Allgemeinen 4 unterschiedliche Qualitätsstufen: 

            100 % naturrein

            Das Öl stammt zu 100 % aus der angegeben Stammpflanzen und unterliegt einer strengen Qualitätskontrolle. Es ist naturbelassen, d.h. seine Zusammensetzung und Duft kann je nach Ernte, Klima und Bodenbeschaffenheit in vorgegebenen Konstanten leicht variieren.

            Natürliche Öle

            Natürliche Öle werden nicht zu 100 % aus der namensgebenden Pflanze gewonnen, sondern bestehen aus mehreren naturreinen Komponenten. So kann beispielsweise ein Lavendelöl mit einem anderen, billigeren, ätherischen Öl vermischt werden.  Jedoch dürfen keine synthetischen Zusätze verwendet werden. 

            Naturidentische Öle

            Die Substanzen von naturidentischen Ölen werden künstlich hergestellt und miteinander vermischt. Die chemische Zusammensetzung spiegelt den natürlichen Vorbildern. Bemerkbar ist dies durch den identischen Duft. Die Wirksamkeit dieser Gemische ist strittig. So besteht beispielsweise ein naturidentisches Rosmarinöl aus ca. elf Bestandteilen, wohingegen das naturbelassene Öl circa 150 Bestandteile hat.

            Künstliche Öle

            Diese Öle sind keinen natürlichen Vorbildern nachempfunden und werden meist nur gezielt auf bestimmte Geruchseigenschaften hergestellt. Diese Öle stehen ebenfalls in der Kritik, da sie sich im Fettgewebe des Organismus anreichern und hormonähnliche Wirkungen besitzen. 

            Hinweise auf die Qualität von ätherischen Ölen

            Anbauweise

            Einer konventionellen Anbauweise, mit Düngemitteln und Pestiziden ist der kontrolliert biologische Anbau (kba) oder die Wildsammlung vorzuziehen.


            Der deutsche und botanische Name der Pflanze

            Die Angabe des deutschen Namens, wie beispielsweise “Lavendel”, reicht alleine nicht aus, da es zahlreiche Lavendelarten gibt, die sich in ihrer Wirkungsweise unterscheiden. Auch der botanische Name sollte auf dem ätherischen Öl angegeben sein.


            Herkunftsland

            Das ätherische Öl kann je nach Hersteller, Land und Charge leichte Unterschiede in der Zusammensetzung, Duft und Wirkung haben. Klimabedingungen, Bodenbeschaffenheit, Höhenlage oder der „Jahrgang“ verursachen solche Schwankungen. Daher weist das Etikett von qualitativ hochwertigen Öle auch immer das Herstellungsland und die Chargennummer auf. Unter der Chargennummer kann man beim Hersteller die biochemischen und physikalischen Analysen abrufen.


            Angabe der verwendeten Pflanzenteile

            Auf dem ätherischen Öl sollte der verwendete Pflanzenteil wie beispielsweise Wurzel, Blüte, Frucht oder Blatt und auch der Chemotyp der Pflanze angegeben sein.


            Gewinnungsverfahren

            Auch die Angabe der Herstellungsprozesse wie Dampfdestillation, Expression und Extraktion geben einen Überblick über die Qualität des ätherischen Öls.


            Produktangaben bei Extraktion

            Die Angabe des Lösungsmittels und ob das Produkt rückstandskontrolliert ist, sollte vorliegen.


            Verdünnungsmittel

            Bei zähflüssigen ätherischen Ölen (wie Vanille, Tonka) sollte die Art des Verdünnungsmittel (meist Weingeist, Alkohol oder Jojobaöl) und das Mischungsverhältnis in Prozent angegeben sein.



            Verwendungshinweise/Deklaration

            Das Produkt sollte ein Hinweis auf den Verwendungszweck geben. Dieser könnte sein: Bedarfsmittel/Gebrauchsgegenstand (z.B. zur Raumbeduftung), Kosmetikum (zur Anwendung auf der Haut; z.B. in Kosmetikprodukten oder in der Aromapflege), Lebensmittel (zur Aromatisierung von Speisen), Arzneimittel, Anderes (Futtermittel, Insektizide).


            Angabe der Zertifizierung bzw. Kontrollstelle


            Angabe der allergenen Inhaltsstoffe nach Kosmetik-Verordnung


            Angabe der Inhaltsstoff (INCI)

            Anwendung von ätherischen Ölen

            Die wenigsten Öle sollten pur auf die Haut aufgetragen werden. Im Normalfall wird das ätherische Öl einem Trägeröl oder einem Gemisch aus Trägerölen zugemischt. Grundsätzlich sollten diese Trägeröle kaltgepresst sein und möglichst keine Zusätze enthalten. Mehr Infos hierzu gibt im Themenbereich Pflanzenöle.

            Geeignete Trägeröle
              Aprikosenkernöl Avocadoöl Distelöl Hagebuttenkernöl Hanfsamenöl Jojobaöl Macadamianussöl Mandelöl Sesamöl Weizenkeimöl Johanniskrautöl Olivenöl Sonnenblumenöl

              Was ist der Unterschied zwischen nativ, raffiniert, unraffiniert und kaltgepresst?

              Natives/unraffiniertes Öl

              Zur Gewinnung von nativem Öl wird, die Pflanze, deren Blätter, Samen oder Frucht, ohne Zufuhr von Wärme ausgepresst. Diese Öle bleiben unverändert (nativ) und sind daher auch oft dunkler als raffinierte Öle, da noch Ablagerungen enthalten sein können. Es ist zudem nicht erlaubt die Rohware (Samen, Früchte, Kerne oder Pflanze) zu rösten. Native Öle haben eine hohe Qualität, da durch die schonende Herstellung wertvolle Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Native Öle werden auch als unraffinierte Öle bezeichnet. 

              Kaltgepresstes Öl

              Kaltgepresste Öle werden nur mit mechanischen Verfahren wie das Zentrifugieren oder der Kaltpressung hergestellt. Im Gegensatz zu nativen Ölen ist es hierbei erlaubt die Rohware zu rösten oder das Öl nach dem Pressen mit heißem Wasserdampf zu behandeln. Jedoch muss dies auf dem Etikett gekennzeichnet sein. 

              Raffiniertes Öl

              Raffinierte Öle werden durch Heißpressung mit anschließender Lösungsmittelextraktion gewonnen. Durch dieses Verfahren kann mehr Öl gewonnen werden. Da jedoch im ersten Schritt das Öl noch diverse Begleitstoffe wie Pigmente, Geruchs- und Bitterstoffe enthält, muss es gereinigt bzw. raffiniert werden. Diese Begleitstoffe sind unerwünscht und können Auswirkung auf das Aussehen, Haltbarkeit und den Geschmack des Öles haben. Der Prozess der Raffination durchläuft mehrere Stufen bei hoher Temperatur und dient dazu das Öl zu entschleimen, zu entsäuern, zu bleichen und zu desodorieren. 

              Vorsicht!

              Ätherische Öle werden meistens verdünnt verabreicht. Die unverdünnte innere Anwendung kann zu schweren Gesundheitsschäden führen. Das Auftragen von ätherischen Ölen kann Hautreizungen und allergische Reaktionen hervorrufen. Einige Öle dürfen auch nicht bei Säuglingen und Kleinkindern angewandt werden. Bei empfindlicher Haut sollte immer eine Kontaktprobe in der Ellenbeuge vorgenommen werden. Allergiker sollten beachten, dass bei einer Reaktion auf eine bestimmte Pflanze auch Reaktionen auf die entsprechenden ätherischen Öle zu erwarten sind.